Gentechnikfreier Süd-Barnim
Landwirtschaft spielt im Barnim eine große Rolle – aber die Landwirtschaft verändert sich. Gentechnik hält Einzug – und nicht jeder ist damit einverstanden. Denn die genetische Manipulation wird Teil des Kreislaufes in der Natur. Die Biologin Josephine Löwenstein ist gegen Gentechnik. Deshalb hat sie sich einer Gruppe von Landwirten angeschlossen: der Initiative gentechnikanbaufreie Region südlicher Barnim. Die Anhänger sprechen sich gemeinsam gegen den Anbau von gentechnisch veränderten Produkten aus.
„Ich denke Gentechnik ist eine Technik, die eigentlich ins Labor gehört“, sagt Löwenstein. Bei der Gentechnik werden Artgrenzen überschritten, da wird ein Stück Gen von einer Pflanze in ein Tier eingesetzt, oder von einem Tier in eine Pflanze oder von einer Pflanze in eine andere. „Das passiert in der Natur niemals. Und jetzt setzen wir das raus in die Natur. Hier fliegt der Pollen mit dem Wind, die Insekten tragen ihn weiter – und das lässt sich nicht kontrollieren.“, begründet sie ihre Haltung.
Der Pollen manipulierter Rapspflanzen findet sich im Honig wieder. Auch vor Milchprodukten macht die gentechnische Veränderung keinen Halt. Aber: sobald die Gene in den Lebensmitteln nachgewiesen werden, müssen diese aus dem Verkehr gezogen werden. Der Anbau von verändertem Material ist sozusagen erlaubt, aber was mit den Produkten passieren darf, kann und soll ist gesetzlich nicht geregelt. Bisher tragen zum Beispiel Imker den Schaden, wenn ihre Bienen Honig aus gentechnisch veränderten Pflanzen produzieren. “Ich bin gegen die Gentechnik in der Landwirtschaft, weil diese Pflanzen, die da ausgebracht werden keine Lebensmittelzulassung haben. Und dieser Pollen, den die Bienen von diesen Pflanzen einsammeln in den Honig reinkommt und dieser nicht mehr verkehrsfähig ist und nicht mehr verkauft werden kann. Der Gesetzgeber hat da noch viel Arbeit vor sich“, sagt Imker Günther Jesse.
Die Folgen für Pflanzen, Tiere und Menschen sind in diesem Kreislauf nicht absehbar. Vielleicht ist das ein Grund, weshalb Bioprodukte boomen.
„Zweidrittel der Verbraucher sagen bei Umfragen, dass sie das nicht interessiert, dass sie Befürchtungen haben, dass sie darin auch keinen Nutzen sehen“, sagte Löwenstein. „Wenn nun die andere Seite, die Landwirte, das auch sagen, dann denken wir, dass die Industrie gar keine großen Chancen hat hier auf den Markt zu kommen.“
Josephine Löwenstein hat allerdings auch Verständnis für die Gentechnik-Industrie. Es geht hier um Geld, viel Geld. „Ich bin Biologin und habe auch deshalb das Studium angefangen, weil mich Gentechnik so interessiert hat. Und ich weiß, warum Wissenschaftler das spannend finden. Es gibt ja heutzutage nicht mehr viel Geld für Forschung und deshalb freuen sich Wissenschaftler wenn sie da ihr Geld herbekommen. Ich kann auch verstehen, wenn Politiker das gut finden, denn auch sie sind für Fortschritt und wissenschaftsgläubig. Und ich kann besonders verstehen, warum die Saatgutindustrie das gut findet, denn es lässt sich sehr viel Geld damit verdienen, wenn man die Hand auf das Saatgut hat. Es ist sozusagen die Lebensgrundlage für uns alle und die Landwirtschaft weltweit und wenn man das in der Hand hat, hat man einen großen Gewinn in Aussicht.“, sagte die Biologin.
Gentechnische Veränderungen an Pflanzen haben also viele Folgen, so die Initiative gentechnikfreie Region südlicher Barnim. Ein guter Grund für die Landwirte und ihre Unterstützer in der Öffentlichkeit für Aufmerksamkeit zu sorgen. Zum Beispiel mit einem Bauerntag wie kürzlich in Biesenthal. Denn Menschen haben Einfluss auf Gesetze. Die Natur wird sich nicht regeln lassen.
Quelle: Eberswalder Blitz