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Wildtiere im Winter


Die Wasserschutzpolizei Hohensaaten rettete in der vergangenen Woche einen jungen Schwan. Das Tier war auf dem Oder-Havel-Kanal bei Oderberg eingefroren und konnte sich alleine nicht mehr befreien. Gemeinsam mit einem Graureiher ist der Schwan nun in der Wildtierpflegestation in Melchow untergebracht. Tierarzt Dr. Andreas Valentin versucht, beide aufzupäppeln. „Wir haben zurzeit diesen jungen Schwan aus Oderberg hier. Den brachte die Wasserschutzpolizei. Und wir haben einen Graureiher hier zur Pflege, der stammt aus Schönfließ aus einer Tierarztpraxis. Dort hatten ihn besorgte Bürger abgegeben. Der Graureiher war völlig unterkühlt und verhungert. Das ist das Los mancher Jungtiere in diesem Winter. Für den Schwan trifft das zu, dem zum Beispiel die Kraft gefehlt haben könnte, weg zu fliegen, bevor das Eis das Gewässer zugefroren hat. Und für den Graureiher ist das offene Wasser eine Nahrungsgrundlage“, erklärt Dr. Valentin die Probleme der beiden jungen Tiere.
Ob der Schwan durchkommt, kann Tierarzt Andreas Valentin nicht genau sagen. Zu geschwächt war er, als er die Wildtierpflegestation erreichte. Wie dem Schwan geht es zum Glück nur wenigen Tieren. Meist haben nur kranke oder sehr schwache Tiere Probleme in der kalten Jahreszeit. „Die Natur hat da ganz bestimmte Systeme entwickelt, wie zum Beispiel Fettdepots, die sich Tiere im Spätsommer und im Sommer anfressen. Die Tiere bewegen sich möglichst ganz ganz wenig, um Energie zu sparen. Und das sind schon ganz wichtige Voraussetzungen, um solche Temperaturen zu überstehen. Wobei wir unterscheiden müssen: Es gibt Tiere, die haben die Chance, dem Winter zu entweichen. Andere ziehen nur so weit, dass ihre Nahrungsgrundlage noch da ist. Man spricht hierbei vom Streichen. Und die Tiere, die ihrem Standort treu bleiben, die haben Prinzipien, Systeme, Hilfen entwickelt, dass sie auch solchen Winter, wie wir ihn jetzt erleben, überleben können“, so der Tierarzt aus Melchow.
Die gesunden Tiere wissen sich von allein zu helfen. Zugvögel sind schon vor langer Zeit dorthin geflogen, wo es warm ist und wo es Futter gibt. Die heimischen Wildvögel suchen sich freie Wasserstellen oder andere Orte, wo sie Nahrung finden. Zum Beispiel den Eberswalder Zoo. Hier wird das ganze Jahr über der kleine Teich frei gehalten. Das wissen nicht nur Ente, Schwan & Co aus dem Zoo, sondern auch die Wildvögel.
„Normalerweise kommen die Wildvögel nicht so nah zum Menschen, sie haben eine große Fluchtdistanz. Aber jetzt in diesem Winter ist zu erkennen, dass die Wildtiere wirklich eine große Not haben und quasi den Pinguinen direkt vom Schnabel die Fische weg klauen“, so der Tierparkdirektor.
Die Tiere über Wasser wissen also mit der Witterung umzugehen und schaffen sich Hilfe. Wie aber geht es den Tieren unter Wasser? Bekommen die Fische bei der lang anhaltenden Eisschicht genügend Sauerstoff? „Ja den Fischen geht es natürlich auch nicht sehr gut. Bei großen Gewässern ist es eher unproblematisch. Die Fische senken komplett ihre Körpertemperatur, um so die Kreislauffunktion  herabzusetzen. Die Fische bewegen sich so gut wie überhaupt nicht mehr. Anders ist es bei kleineren Gewässern. Wenn es sich um kleinere Teiche handelt, die wenig Ufervegetation haben, wo überhaupt kein Lufttransport mehr da ist, dann sollte man versuchen, Löcher rein zu hacken oder zu sägen. Dann kann zumindest ein bisschen Sauerstoffeintrag erreicht werden“, erklärt Dr. Bernd Hensch den hilfreichen Trick.
Nur weil wir Menschen frieren, muss es den Wildtieren nicht schlecht gehen. Wenn Sie Fragen zum Thema haben oder ein verletztes Tier finden, wenden Sie sich an die Fachleute. Die Wildtierpflegestation in Melchow erreichen Sie unter der Nummer 03337/3031.

Quelle: Eberswalder Blitz